Seit Jahren verlagern immer mehr Modellspielzeug-Hersteller ihre Fertigung nach China.

Zunächst wurden bestehende Angebote an Einfachmodellen dort kostengünstig aus vorhandenen Formern produziert. Mit der Zeit wurden immer mehr, auch anspruchsvollere Modelle aus chinesischer Fertigung angeboten. Inzwischen kommt ein großer Teil des Angebotes aus chinesischer Produktion, auch die deutsch/österreichischen Marktführer lassen überwiegend in China fertigen. Immerhin sitzt mit Kader in China/Honkong der größte Spielwaren- und Modellhersteller der Welt.

Etliche jüngst erschienene Modelle aus den Angeboten von Brawa, Bachmann, Roco, Brekina sind in einer Detailperfektion gefertigt, die oftmals Erstaunen auslöst - und die Preise dieser Modelle sind auch keineswegs mehr im Einfach-Segment angesiedelt.

Damit können alle glücklich sein, oder?

Vielleicht - wäre das China-Geschäft nicht für viele Hersteller doch erstaunlich mühselig und riskant.

Wir, die Käufer merken dies gelegentlich:

  • grundsätzliche Detailfehler wie Negativdruck der Beschriftung (Liliput-Bachmann), merkwürdige Radlager (Liliput-Bachmann), oder aussenliegende Gitterstäbe bei ansonsten perfekten Reisezugwagen (BRAWA) zeigen Kommunikations- und Qualitätssicherungsprobleme im Entwicklungs- und Fertigungsprozeß.
  • Mitunter geraten auch Modelle völlig daneben, wie aktuell der Märklin-"Oppeln" mit gewaltigen Bretterfugen, die eher an einen Verschlagwagen erinnern. Da war ja der Druckguss-Vorgänger aus den 50ern noch besser.
  • nicht in RAL-Farben lackierte Modelle zeigen, dass in China eben RAL nicht angewendet wird.
  • deutliche Lieferverzögerungen einschliesslich des Verpassens wichtiger Saisonmärkte zeigt, dass der Transportweg nicht sicher kalkulierbar ist, schonmal Container bei hohem Seegang über Bord gehen oder aber der Lieferant aus diversen Gründen (Präferenzen, Kapazitäten, Kostensteigerungen, Zahlungsverzögerungen, Streit mit dem Auftraggeber) die Termine nicht einhält oder Produkte ganz abkündig. Es sind auch schon ganze Lieferungen vom Abnehmer wegen Mängeln zurückgewiesen worden.
  • Ersatzteile gibt es oft nur wenige und nur über kurze Zeiträume. Die Formen werden nicht ordentlich gelagert und so kommt es dazu, dass auch Standardbauteile häufig für neue Modelle und Neuauflagen neu geformt werden müssen. Mitunter wechselt auch für eine Wiederauflage der Herstellbetrieb - und alles muss neu geformt werden. Am Ende passt die Neuauflage dann mit der Vorlieferung nicht zusammen und/oder enthält neue eigenheiten des Fertigungsbetriebe.
  • Aufgrund kleiner Auflagen sind selbst Garantie-Tausche oft nur gegen ein Modelle einer neueren Serie möglich. Oft passt dieses dann aber nicht in das Umfeld des Modellbahners. "Gleichwertig" ist kaufmännisch betrachtet auch ein Ep. II-Modell zu einem Ep. III-Modell, aber längst nicht "gleich". Einen höheren Rechtsanspruch aber hat der Modellbahner nicht.

Einige (kleine!) Hersteller haben sich daher von der China-Fertigung wieder getrennt. Die "Big Player" des Marktes und die Supermodell-Anbieter werden dies nicht mehr ändern können, auch wenn in China die Lohnkosten und Produktionskosten stetig ansteigen. Momentan sind wir noch nicht so sehr gequält wie unsere amerikanischen Modellbahn-Freunde. Der Kurs des US$ hat dort die Preise der Import-Ware ins nahezu unbezahlbare steigen lassen. Hier federt der starke EURO dies noch sanft ab. Doch zahlen wir in Deutschland schon "traditionell" deutlich höhere Preise für unser Hobby als in UK oder USA.

Inzwischen geben einige Importeure keine Liefertermine für ihre Ware mehr an. Somit ist es Sache des Käufers, die Lieferungen genau zu beobachten und angesichts kleiner, knapper Auflagen schnell zu kaufen. Da er aber die Ware immer häufiger genau prüfen muss, wird das Geschäft auch für den Handel immer riskanter.

   
© Will Berghoff 2013