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Wie gewohnt genau vor Weihnachten lieferte Fleischmann trotz der erheblichen Umbrüche im Unternehmen seine H0-Hauptneuheit 2008 ab - die DB-Dampflok 54 1692 - ehemalige G3/4H der Bayer. Staatsbahnen.

GFN 54 1692 Lokführerseite

An dieses Modell hatten die Modellbahner hohe Erwartungen geknüpft, immerhin gab es ein Modell der 54.15-17/bay. G3/4H bereits seit den 70ern von TRIX in einer damals durchaus bemerkenswerten Detaillierung:

 

Vergleich TRIX/GFN G3/4H

 

 

Vergleich Tender TRIX/GFN 54 1692

 

Fleischmann hat unter der Artikelnummer 414401 die b-Bauart (Bauart Maffei) der bayerischen G3/4H nachgebildet. Sie unterscheidet sich i.W. durch andere Kesselaufbauten und einige Änderungen am Rahmen von der von TRIX nachgebildeten a-Bauart (Bauart Krauss).

Wie am 20.1.09 bekannt wurde, wird Fleischmann die Lok 2009 auch in ÖBB-Ausführung und in der Länderbahnausführung, beide als Krauss/a-Bauart(!) anbieten.

Wenn Sie dieses Modell selbst mit einem Dekoder für den Digitalbetrieb ausstatten wollen, benötigen Sie einiges Geschick. An dieser Stelle liefere ich eine Anleitung. Wenn Sie einen "Fachhändler" damit beauftragen, suchen Sie ihn sorgfältig aus, denn falsche Handhabung kann bleibende Schaden verursachen. Die Einbauanleitung ist irreführend, unvollständig und teilweise schlicht falsch! Meiner Meinung nach sollten solche hochwertigen Modelle stets bereits für den Digitalbetrieb eingerichtet geliefert werden!

 

Bauarten der G3/4H, hinten a, vorne B

 

Auf den ersten Blick entspricht das Modell vollständig den Erwartungen, die man seit vielen Jahren an eine Fleischmann-Neuerscheinung hat und die immer wieder erfüllt werden. Die Lackierung und Beschriftung macht einen perfekten Eindruck, kein Plastikfarbton stört das seidenmatte Finish.

Fast alle Leitungen, Bauteile und Griffstangen sind angesetzt. Bei meinem Modell passt die vordere Aufstiegsgriffstange an der Heizerseite jedoch nicht perfekt in die Löcher. Sie war unten nicht eingesteckt, ist zu lang und biegt sich durch.

Die Treibräder haben erfreulich niedrige Spurkränze. Leider hat das Laufrad zu hohe Spurkränze und ist somit im Durchmesser auffällig zu klein - ein Manko, dass wir schon seit der 18.6 kennen und bedauern. Im Rahmen fehlt das auffällige Schutzblech über den beiden ersten Antriebsrädern. Diese gab es nur bei b-Bauart. Da Fleischmann auch die a-Bauart nachbilden wird, hat man die Bleche wohl deshalb weggelassen. Erstmals bei einem Fleischmann-Modell sind aufsteckbare Kolbenstangenschutzrohre zum Einsatz bei großen Radien und in der Vitrine beigefügt. Lok und Tender sind sehr kurz gekuppelt. Es fällt aber die zu große Breite des Tenderrahmens auf.

Die Beschriftung ist fein, wirkt aber bei Lokschild und DB-Symbol sehr flach. Hier sollte der Modellbahner eine Ätzbeschriftung anbringen. Eine Bitte an Fleischmann: wenn man schon so flache Beschriftungen anbringt, dann sollte man meiner Meinung nach konsequent auch die Nachbildung des erhabenen Nummernschildes weglassen - so kann der Modellbahner eine Ätzbeschriftung nach seinem Wunsch anbringen.

 

GFN 54 1692 Heizerseite

 

Die Lok wird im Tender durch einen üblichen Industriemotor mit Schneckenantrieb bewegt. Die Schnittstelle für den Digitaldekoder ist leider abweichend von der marktüblichen Praxis 6-polig und nur für kabellose Stecker-Dekoder eingerichtet. Hier wären der übliche 8-polige oder der neue 21-polige Stecker zukunftssicher, denn die hauseigenen Dekoder sind vermutlich als Folge der "Neuausrichtung" in Kürze nicht mehr zu bekommen, die geeigneten Alternativen werden wohl bald auch nicht mehr mit solchen Schnittstellen verfügbar sein.

Bisher liegt nur eine Dekoderempfehlung vor: ESU LokPilot V3.0 DCC mit Kabel NEM 651. Der LokPilot Mikro wird ausdrücklich nicht empfohlen. Der Einbau ist wegen der Fragilität der Konstruktion nicht ganz einfach. Ein Dekoder mit direkt an seiner Platine angebrachten Kontakten oder sehr kurzem Kabel erleichert den Einbau sicher wesentlich.

Mit eingebautem ESU-LokPilot 3.0 DCC ist das Fahrverhalten bereits in der Grundeinstellung des Dekoders zufriedenstellend. Die Lok läuft weich an, erreicht eine vorbildnahe geringe Höchstgeschwindigkeit und einen zu langen Auslauf. Der Motor ist im Digitalbetrieb nach Aufsetzen des Tendergehäuses deutlich hörbar - die Resonanz des Kunstoffaufbaues macht sich hier bemerkbar. Die Ansteuerfrequenz des Motors sollte also angepasst werden.

Einbauanleitung: hier

 

beide Loks Kopf an Kopf, links TRIX, rechts Fleischmann 54

 

 

Insgesamt ist die Lok ein ansprechendes Modell ohne ernst Mängel, bei einem Ladenpreis von fast 300 EURO ohne Digitaldekoder darf man das aber auch erwarten.

 

Ansicht GFN/TRIX GFN 54

 

Zum Vorbild:

54 1692 ex G3/4H 7192 Maffei 1922, BW Nürnberg Rbf 07.03.60z

Sie gehörte damit nicht zu den letzten bei der DB noch vorhandenen Exemplaren, einige Maschinen beider Bauarten waren bis 1965 im Einsatz. Einige Maschinen waren kurzzeitig in Norddeutschland stationiert, wenige verblieben im Ausland (Österreich, DDR, CSSR).

Ich habe vor 10 Jahren begonne, die TRIX-Lok zu optimieren. Probleme mit dem SB-Antrieb, das Ausbleiben des Günther-Umbausatzes B054 und nicht zuletzt die Ankündigung des nun erschienenen Fleischmann-Modells habe dieses Projekt stillgelegt. Einige Bilder finden sich unter http://www.railforum.de/modellbahn/tx54_1632.htm

Meinungen der Presse (Auszug aus dem Pressespiegel von FLEISCHMANN):

- „Nicht nur für Güter“ - die Baureihe 54.15 (H0) in MIBA 2/2009

- "(K) Ein heißer Dampf aus Bayern" (H0-BR 54) aus "MBI 01/02 2009"

- "Nürnberger Kindl" (H0-BR 54) - in Eisenbahn-Journal 2/2009

 

Quellen: Heinrich, Peter, "Die Baureihe 54.13-15", EK-Verlag, Freiburg 1988 (nur noch antiquarisch erhältlich)

Wikipedia

   
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