Die Modellbahn GmbH meldet für ihre Marke FLEISCHMANN die Überarbeitung des bereits lange am Markt befindlichen Güterwagens G10 und kündigt eine UVP von über 30 € für dieses kommende Modell (zunächst nur Varianten Ep. 1 und II) an.

Angesichts des nahezu preisgleichen, hervorragenden BRAWA-Modells erstaunt diese Absicht, geht es doch den meisten großen Modellbahnherstellern nicht so wirklich gut. Man könnte meinen, dass Modelle mit größeren Marktchancen, also Lückenfüller und Ersatz für reichlich angebotene veraltete Modelle einen größeren Erfolg versprechen.

 


Nun ist der G10 (Gedeckter Güterwagen der Verbandsbauart nach Musterblatt A2, DRG: G "Kassel" bzw. "G "München") von 1910 bis ca. 1927 in weit über 120.000 Exemplaren für deutsche Bahnen gebaut worden. Er wurde über ganz Europa verbreitet, in anderen Ländern nachgebaut und existierte bis in die 1970er Jahre in einer Unzahl von Varianten. Da mag durchaus Spielraum für ein weiteres, gutes Modell sein - wenn es dann eine markgerechte Variante darstellt. Das aber scheint bei dem kommenden FLEISCHMANN-Modell nicht der Fall zu sein:

Anhand der derzeitigen, veröffentlichten Muster (erste Abgüsse des fertigen Werkzeuges?) erkennt man einen Verbandswagen der späten Fertigung mir hochliegendem Verbands-Bremserhaus, 4 Ladeluken und einem Dach mit Falzen. Offensichtlich wird das nicht grundsätzlich schlechte, aber aus heutiger Sicht doch recht grobe Fahrwerk weiter Verwendung finden. Da ein wirklich konkurrenzfähiges Fahrwerk im Unternehmen vorhanden ist (beim unglücklichen Roco-G10), ebenso wie ganz erhebliche Erfahrungen beim Versuch, einen G10 mit fehlerhaftem Aufbau abzusetzen, erstaunt dies doch sehr.

Man darf gespannt sein, wie das Modell letztendlich am Markt ankommen und angenommen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass neben der DRG-Variante als "Butter-und-Brot-Modell" die Sonderpackung "Lazarett-Zug" und der CFR-Wagen die Formkosten auch nur annähernd abdecken werden.

Für die Ep. III/IV werden erhebliche Formänderungen notwendig (Rückbau auf 2 Ladeluken, Rückbau Bremserhaus, Diagonalstreben (kleine für DB, große für ÖBB), Drehen der Kopfprofile). Die derzeitig gezeigte Form sieht dies nicht erkennbar vor.

Wer einen guten DRG-Wagen brauchte, hat mit dem seit vielen Jahrzehnten billig angebotenen Piko-Modell, dem derzeit besten und teuersten BRAWA-Modell, dem älteren MÄRKLIN-Modell und auch dem bisherigen FLEISCHMANN-Modell oder auch zähneknirschend mit dem letzten, in Details inakzeptablen ROCO-Modell den Bedarf völlig gedeckt. Für noch höhere Ansprüche stehen Kleinstserienbausätze zur Verfügung. Das aus derzeitiger Sicht drohende falsche Dach macht es nicht besser.

Angesichts dieses Risikos frage ich einfach mal: Wo bleibt der kurze G "Oppeln"/Gs30 mit Bremserhaus?

   
© Will Berghoff 2013