Modell des ROCO WR4üe-28 (Bauart Wegmann 1928) im Modell (H0)

 

 

Der WR4üe-28 war bis 1971 ein sehr verbreiteter Speisewagen in Deutschland. Wegmann produzierte 1928 /29 die Wagen 1041 bis 1060. Sie wichen von der Musterserie durch einen geänderten Grundriss und symmetrische Fenster auf beiden Seiten im Küchenbereich ab. Diese Bauart wurde zur Standard-Bauart der MITROPA und bis 1942 mit veränderten Außendetails weitergebaut. Zudem hatten sie bei Ablieferung ausschließlich Flettner-Dachlüfter. Zur DSG kamen die Wagen 1041-1044, 1048, 1050, 1052, 1054, 1059. Der Wagen 1048 steht heute (lange Jahre zunächst als als Wagen "1006" bezeichnet) im Deutschen Museum, München in der Fahrzeugsammlung. Per 1.1.1966 übernahm die DB die Speisewagen der in den Eigenbestand, sie verloren die Kennzeichnung [P] und wurden fünfstellig umgenummert, indem eine "1" der DSG-Nummer vorangestellt wurde. 1968 bis 1972 wurden die Wagen ausgemustert. Weitere Angaben zur Fahrzeuggeschichte: www.speisewagen.net

Im April 2008 lieferte Roco als komplette Neukonstruktion nach einiger Verzögerung zunächst das Modell in der DSG-Ausführung aus. Erstmals gibt es diesen Speisewagentyp in einer zeitgemäßen Detaillierung. Bisher stand nur das Liliput-Modell in der geschweißten Ausführung 1934 zur Verfügung, dessen Konstruktionsdatum in die frühen 70er Jahre des letzten Jahrhunderts fällt.

Das Roco-Modell zeigt die heutigen Möglichkeiten der Detaillierung, lässt aber leider nicht nur formkostenbedingt einige Wünsche offen.(Hinweis: eine Neuauflage Ende 2009 soll das korrekte Purpurrot RAL3004 und beige Anschriften zeigen, Wagennummer der Neuauflage DSG 1044, Rev. 1961!)

In identisch ausgeführter Wagen erschien 2011 mit der F-Zug-Wagen-Packung 64041 "Gambrinus" als "DSG 1150 [P]", Unt. Dat. 17.8.55.

Roco DSG WR4üe-28 Kopf
Roco DSG WR4üe-28 Küchenseite
Roco DSG WR4üe-28 Gangseite
Küchenfensterpartie und Anschriftenspiegel Roco WR-28 Roco WR-28 Wohin mit den Speisen auf diesem vollen Tisch?

Roco 45672 Neuheit 2008
WR4üe-28 DSG Nr. 1042 (Wegmann 1928, genietet, Holzdach und Holzfußboden)
Rev. 7.6.62

  • Farbe: RAL3003 Rubinrot - müsste RAL3004 Purpurrot sein (ab 1954 bei Neubauten und ab 1955 bei Revisionen)
  • Dach: RAL9006 Weißaluminium
  • Beschriftungsfarbe: ca. RAL 1003 signalgelb - müsste RAL 1014 Beige sein. Das sog. "Mitropagelb" hat keine Aufnahme in den RAL-Katalog gefunden.
  • Anschriftenspiegel mittig auf Fenstersteg - muss linksbündig sein.
  • Faltenbälge ausgefahren montiert, eingezogen 2x beiliegend
  • Handläufe und Handgriffe eingesetzt
  • hochliegende Schlusslichthalter - seit 1958 nicht mehr zulässig
  • Vollständige Aufstiegsleitern am Wagenende - ab 1953 bis auf halbe Höhe gekürzt, bis 1958 mit Tieferlegung der Schlusslichthalter vollständig abgebaut
  • Türläufe silberfarbener Kunststoff - waren Messing oder hellbeige lackiert, mitunter auch schwarz
  • keine Niete auf den Wagenseiten - richtig - bei dieser Serie waren die Niete vertieft angebracht und verspachtelt
  • keine senkrechten Trennleisten auf den Wagenseiten - korrekt
  • Flettner-Lüfter, Küchenabzug in T-Form, feine Fachbildung - Flettner-Lüfter waren stets undicht und wurden im Gastbereich früh abgebaut, bei der DSG vollständig durch Wendler- und Doppelwendlerlüfter ersetz. (Doppelwendlerlüfter Messingguss: CN-Modell 9027, z.B. www.wagenwerk.de) - weitere Auflagen (F-Zug-Wagenpackung, F-Zug mit B4ümg) zeigen Lüftervarianten
  • Laufbretter auf dem Wagendach silbern - ab 1953 abgebaut
  • feine stehende Trennkannten auf dem Dach - weshalb? Macht keinen Sinn.
  • feinste Nietreihen eng neben den Trennkanten
  • Übergangstür hellbraun - richtig ist dunkelbraun
  • Tür- und Küchen-Officefenster mit doppelten Trennstreben ausgelegt, Tür rot, andere chrom - doppelte Trennstreben sind unbegründet, alle Streben müssten rot sein
  • Küchenfenster innen senkrecht vergittert, untere Hälfte innen bei allen 6 Fenstern geweißt, Lüftungslammellen ohne erkennbare Lamellen, aber mit Chromrahmen - Kochküche (rechter Fenstergruppe) muss voll geweißt sein oder noch klar, die Fenster der Spül- und Beiküche beginnen nicht direkt über der Brüstungsleisten, sondern haben noch ca 150mm Blech dazwischen, sehr auffälliger Fehler!
  • Officefenster innen quer vergittert - nicht mehr bei der DSG, Gitter senkrecht oder überflüssig
  • Speiseraumfenster 1, 4, 5 und 7 mit chromgerahmten Lüftungslammellen, kein Zugluftschutz - Zugluftschutz durch Wollstoff oder später Glasscheibe ca 20cm hoch im unteren Fensterbereich war immer vorhanden, Tischlampen reichten nicht bis über diesen Zugluftschutz
Roco WR-28 Lampe/FensterVorbild: Fenster/Lampe
Zum Vergleich der Proportionen: Fenster des Roco-WR4üe-28 und schmäleres B-Fenster eines erhaltenen WG4üe-28/ex BC4üe-28 mit Tisch und Tischlampe sowie Zugluftschutz (Lüftung bei diesem Wagen Sitzwagenkonstruktion)

Inneneinrichtung:

  • Mittelbraun, keine Details an Trennwänden, keine Fenster, Türen oder Durchbrüche erkennbar - schade, gerade die vielen Glasflächen schafften einen leichten Raumeindruck, ggf. durch Spiegelfolie ersetzen

WR4ü(e)-28 Innenansicht bei Indienststellung - Ansichtskarte Mitropa 1928
WR4ü(e)-28 Innenansicht bei Indienststellung - Ansichtskarte Mitropa 1928

  • Tische: Oberfläche weiß lackiert, alle Seiten braun - Tisch etwas zu hoch, Seiten weiß lackieren
  • Tischlampen: identisch mit TRIX WR4ümg-64 aus 1968, hellbraun, schlecht entformt mit Gussresten, zu groß - grauenhafte Nachbildung, viel zu hoch und falscher Farbeindruck, schlecht Qualität, als Ersatzteile von ADE oder Roco WR4ümh-64 einbauen
  • Officeeinrichtung: angedeutete Ablagen

Fahrwerk/Rahmen:

  • Hilfsleitern nicht angebracht, im Zurüstbeutel mit Stromabnahmebauteilen für nachzurüstende Innenbeleuchtung beigefügt, alle anderen Details montiert - Hilfsleitern nicht unter Wagenboden montieren
  • Drehgestelle Görlitz III schwer, 3fach gefedert

Roco Drehgestell G II s

  • je Seite 2 Bunkerkästen und 2 Batteriekästen - 1 Bunkerkasten unter Fenster 3/4 fehlt (Zählrichtung von Küche zum Speiseraum)
  • keine aufgesetzten Beschriftungsflächen am Rahmen - waren aber bei der DSG üblich bei Wagen mit unverkleidetem Rahmen
  • erkennbar unterschiedliche Anschriftenstempel je Wagenseite - sehr schön gemacht


  • Bremsgestänge teilweise nachgebildet
  • Bremssteller nicht gefärbt - Fläche weiss nachfärben, Hebel rot
  • Puffer längliche Form - korrekt

Der Wagen hinterlässt also einen geteilten Eindruck. Bis auf die inakzeptablen Tischlampen und die zu tiefen Küchenfenster ein sehr gut und fein detailliertes Modell mit Epochenfehlern, die weitgehend einer kostengünstigen Nutzung der Formen geschuldet sind. Dafür muss man Verständnis haben. Korrekte einfache Wendler-Lüfter - wie abweichend von der Musterzeichnung im Neuheitenprospekt beim WL4üe-28 angebracht, sind im Hause vorhanden und hätten montiert werden können.

Die Lackierung und Beschriftung ist superfein und sehr sauber gedruckt, aber leider farblich falsch für den Zeitpunkt der Darstellung. Der Anschriftenspiegel hat ein falsche Lage und ist ein wenig zu klein geraten. Traurig ist insgesamt die primitive Inneneinrichtung auf dem Niveau von Liliput Wien 1968

Das absehbare Ep. II-Modell wird sicher äußerlich perfekt sein (bis auf die Fensterlamellen, die interessanterweise entgegen der Planung nun eher eine DSG-Nachkriegsversion sind und die zu tiefen Küchenfenster). Die Eisenbahnstiftung Joachim Schmidt bietet ein sehr schönes Detailfoto aus den 30ern an - vermutlich MITROPA 1008.

Der erhaltene Wagen DSG 1048 ist in einer Abbildung von 1956 ebenfalls auf dort DSG WR4ü 1048, Engels, 1958, bei Eisenbahnstiftung.de zu finden. Auch ein sehr aussagefähiges Foto aus 1954 der Küchenseite der Nachfolgebauart 1930, Speisewagen DSG 1086, Marotz 1954, Eisenbahnstiftung.de ist dort zu finden.

Immer wieder diskutiert wird die Frage der Anschriftenfarbe der DSG-Wagen. Ich verfüge über etliche sehr gute Farbaufnahmen aus 1960 bis 1967, die DSG-Schlafwagen der Bauarten 28, 35, 39, 50 und 55 in RAL3004 mit beigen Anschriften zeigen. Die Anschriftenfarbe der Fahrzeugdaten war von der DB vorgeschrieben, also seit 1956 RAL 1014 Beige (bis dahin RAL 1007), die DSG-eigene Darstellung (Zierlinien, eigene Anschriften, Grundfarbe des Wagenkastens) wurde auch von dieser bestimmt und ist in den DV der DB nicht verbindlich enthalten. Die entsprechenden Angaben auch im neuen "Diener" basieren ausschliesslich auf ihm vorliegenden offziellen Dokumenten und sind wohl deshalb nicht vollständig beschrieben. Zu einer umfassenderenden Darstellung der DSG-Spezifika hat auch der vorhande Platz im Buch nicht ausgereicht. Meine Informationen stammen vom ehemaligen wagentechnischen Leiter der DSG (1949-1974, verstorben 2013).


Der Preis von ca. 40 EUR (Stand: 2008) geht in Ordnung

Fotos dieser Seite: Will Berghoff

Nachdruck (auch auszugsweise) nur mit Genehmigung des Autor

 

   
© Will Berghoff 2013