Neben den 26,4m-Versuchwagen der Doppelstockbauart, den gemischtklassigen 26,4m-D-Zug-Wagen mit Faltenbalg, den Liege- und Schlafwagen und den den LS-Wagen der Pullmanbauart für den Inlandsverkehr** beschaffte die junge Deutsche Bundesbahn ab 1954 auch Abteilwagen mit Seitengang der 26,4m-Bauart mit Gummiwulstübergängen, zunächst nur für den hochwertigen Inlandsverkehr. Eine Liste der gebauten Fahrzeuge und Bauartunterschiede stelle ich hier zur Verfügung.

Wagenkopf ümg Bauart 1952-54 Wagenkopf ümg Bauart 1955-57 Wagenkopf ümg Bauart ab 1958 Hobbytrain AR4ümg-54 Kopf 
Erläuterung der Bauartunterschiede       

Maßstäbliche Nachbildungen der Bauart 1959 gab/gibt es von

  • Rivarossi (alt) in kobaltblau Ep. IIIb mit 1.-Kl.-Streifen
  • Hobbytrain/Lemke Ep. IIIb, kobaltblau mit 1.-Kl.-Streifen (einzeln und im Set SCHWABENPFEIL und ROLAND- 2 Packungen)
  • ADE Ep. IIIb kobaltblau mit 1.-Kl.-Streifen
  • Roco Ep. IIIb (auch mit digital zu öffnender Tür) kobaltblau mit 1.-Kl.-Streifen
  • PIKO, 2015 geliefert in einer Sonderpackung "F-Zug GERMANIA F17/F18", kobaltblau als A4üm (ohne "g", Rev. 1966) und grauem Dach

Wagen der Bauarten 1954 und 1955 wurden bisher nur in der Ausführung Ep. IIIa der neueren ADE-F-Zug-Wagen angeboten und damit auch nicht die nur damit möglichen vielfältigen Anschriften- und Farbvarianten.

Im Gesamtumfang der Bestellung der DB 1954/1955 waren auch Halbspeisewagen enthalten. Diese wurden in einer nicht zutreffenden Ausführung (Lackierung und Gestaltung der Kopfseiten s.u.*) bisher nur von ADE angeboten:

  • BR4ümg Ep. IIIa stahlblau und 55er Kopf
  • AR4ümg Ep. IIIb kobaltblau mit 1.-Kl.-Streifen und 59er Kopf

Bei den ADE-F-Zug-Wagen machten beide Typen eine erstaunliche Metamorphose durch: Waren sie in der Ausführung der Ep. IIIa noch korrekt mit den doppelt Zugschlüssen und der stahlblauen Lackierung versehen, so wurde die Ep. IIIb-Ausführung nur mit den großen Zugschlüssen und kobaltblauer Lackierung angeboten.

PIKO hat in der o.g. Zugpackung 2015 einen AR4üm 18 817 Köl mit korrekten 53er Kopfenden geliefert.

Lemke bietet im Rahmen des LS-Modell/Hobbytrain-Angebotes nun diesen Halbspeisewagen in einer 3-Wagen-Packung als "Schwabenpfeil" an. Leider ist auch hier die Lackierung nicht korrekt, denn die AR4ümg waren zum Zeitpunkt des Einsatzes im F-Zug-Umlauf des "Schwabenpfeil noch stahlblau und bis Ende 1958 noch ohne 1. Klasse-Streifen. (Die der Packung beigefügten A4ümg-59 waren zum Einsatzzeitpunkt des Vorbild-Zuges noch nicht gebaut!)*. LS-Modell zeigt eine aktuelle Abbildung.

  • AR4ümg Ep. IIIb kobaltblau mit 1. Kl.-Streifen und 55er Kopf

Über die Modelle auch im Vergleich berichte ich hier genauer. Alle Wagen wurden/werden auch in Ep.-IV--Ausführung angeboten. Diese werde ich hier nicht vorstellen und nicht kommentieren.

Grundsätzlich nicht angeboten wird die korrekte Ausführung der Kardanlichtmaschine mit Befestigung unter dem Wagenboden und Anlenkung an der Nabe der inneren Achse des linken Drehgestelles, wie sie bei allen Lieferungen 1951 bis Anfang 1955 ausnahmslos erfolgte. Hier fehlt mir aber jede Idee einer Möglichkeit der korrekten modellmäßigen Nachbildung ohne erhebliche Kompromisse. Wagen mit Lichtmaschinenanordnungend dieser Ausführung sind auch 1959 noch fotografisch nachweisbar im Einsatz (z.B. em 11/2010)

Welche Ep.-III-Modelle sind notwendig?

  • AB4ümg Bauart 1953, stahlblau, kleine Schlussleuchten, keine Regenrinne am Dach, sondern Fenster mit Regenrinne, "DB"-Buchstaben, Klappe als Abdeckung über der "1".
    Varianten:
    AB4ümg, w.o., DB-"Keks" in Negativform
    A4ümg w.o., DB-"Keks"
    A4ümg, w.o., 1.-Kl.-Streifen sandbeige
  • AB4ümg Bauart 1955, stahlblau, beide Schlussleuchten, "DB-Buchstaben", bei AB4ümg Klappe als Abdeckung über der "1"
    Varianten:
    B4ümg, w.o.
    B4ümg, flaschengrün, DB-"Keks" in Negativform
    A4ümg, stahlblau oder flaschengrün, DB-"Keks"
    A4ümg w.v. mit 1.-Kl.-Streifen sandbeige
  • A4ümg Bauart 1959, stahlblau, große Zugschlüsse, 1.-Kl.-Streifen sandbeige, DB-"Keks"
  • BR4ümg Bauart 1953/54, stahlblau, kleine Zugschlüsse, keine Regenrinne am Dach, sondern Fenster mit Regenrinne, "DB"-Buchstaben (bis Wagen 18 873), langes Schild "SPEISERAUM"
    w.v., Varianten:
    w.o., Bauart O&K mit beiden Zugschlüssen
    w.o. Wagen 18 818/18 819 mit Klimaanlagen (Pintsch bzw. Lahmeyer) und 18 877 mit Luftheizsystem Pintsch
    w.o., mit DB-"Ur-Keks" in Negativform (Auslieferungszustand ab 18 874)
    w.v. mit DB-"Keks"
    ab 3.6.56:
    AR4ümg mit DB-"Keks", sonst w.o.
    AR4ümg w.v. mit 1.-Kl.-Streifen sandbeige
    AR4ümg w.v. mit Schild "DSG-SPEISERAUM" abnehmbar oder aufgemalt (langes rot-gelbes, aufgemaltes Schild am 11 870 noch 1975 nachgewiesen!)
    Ab 1963 18 818/18 819 ohne Klimaanlage
    Ab 1963 bis 1966 Küchenumbau, Neulackierung in kobaltblau bzw. 1966 karminrot/kobaltblau.

PIKO hat mit der F-Zug im Jahr 2015 eine oben noch nnicht gelistete, als Komplettzug eher unwahrscheinliche, aber dennoch möglich Variante angeboten - die wagen sind bei revision 1965/66 ohne das "g" als Nebengattungszeichen beschriftet, aber noch mit dem klassischen Anschriftenspiegel neben der linken Einstiegstür und weisen ein graues, auffällig glänzendes (nasses?) Dach auf.

Neben der Farbfrage gibt es ja auch noch die Fensterfrage - kein Hersteller ausser ADE berücksichtigt die Regenrinnen an den Fenstern und über den Türen. Es gibt also noch viel zu tun.


*kurzer Exkurs der Bauartunterschiede:

Bis 1955 waren nur hochliegende Zugschlussleuchten zulässig, daher wurden die Wagen der Bauart 1953/54 nur mit hochliegenden, kleinen integrierten Zugschlüssen ausgestattet. Die Bauart 1955 wies dann beide Typen auf, wobei zunächst die großen Öffnungen bei RIC-Wagen nur verblecht waren. Ab 1957 wurden die Neubauwagen der DB nur mit den großen, auf Höhe der Türklinken (bei n-Wagen und generell ab 1966 tiefer) angeordneten Schlußleuchten geliefert. Die Wagen der ersten Bauart wurden nach 1978, oft aber garnicht umgebaut.

Die E-Kupplungs-Kästen an den rechten Kopfseiten waren damals stets durch einen Deckel verschlossen.

Die Sitzwagen aller Bauarten mit Drehtüren bis 1960 hatten keine durchgängige Regenrinne an der Dachtraufe, sondern Regenrinnen im Aussenrahmen der Übersetzfenster und über den Einstiegstüren.

Die Färbung der Fensterrahmen ist vieldiskutiert. Die Baumuster-, Vorserien- und Erstserienwagen bis 1955 hatten nachweislich nicht eloxierte Rahmen, eine Nachbildung in silbrig-grauem Farbton ist also korrekt. Das Datum der Einführung der Eloxierung in gelbem Ton konnte ich nicht ermitteln. 1959er Wagen wiesen mit Sicherheit die Eloxierung auf.

Links hierzu: www.db58.de I und www.db58.de II

Die Halbspeisewagen der Bauart Rastatt dürfen also nur die hohen, kleinen Zugschlüsse aufweisen. Kobaltblaue AR4ümg gab es in der Ep. III nicht, bevor nicht die ab 1967 anzubringende Neubeschriftung gem. UIC-Richtlinien aufgebracht wurde. Dann jedoch wurden statt dessen die meisten AR4ümg rot-blau lackiert ("Kakadu").

**Obwohl die Gummiwulstübergänge mit den Faltenbalgübergängen kompatibel waren, wurden vor 1955 im internationalen Verkehr Einzel-Wagen nur mit Faltenbalgübergang zugelassen.

   
© Will Berghoff 2013