Der deutliche Mangel an Speisewagen bei der DSG wurde durch den Umbau von normalen Reisezugwagen in Halbspeisewagen besonders für Züge mit geringerem Reisendenaufkommen aufgefangen. Für kurze F-Züge wie den F17/F14 (ab 1954 F13/14) "Dompfeil" Hannover-Köln-Hannover (im täglichen Umlauf mit "Sachsenross" und "Germania") wurden 1952 drei und 1951 ein Wagen der Verwendungsgruppen 28 mit einer kleinen Küche und einem 18-plätzigen Speiseabteil ausgerüstet. 1958 waren alle 4 umgebauten Wagen als stahlblaue AR4üe-29/52 im Einsatz. Drei dieser Wagen basierten auf ABC4üe-28, ein weiterer Wagen auf BC4üe-34 (kein H0-Modell verfügbar).

Liliput-Bachmann ABR4üe29/52 für Grossfoto bitte klicken

Gebrauchsanleitung (PDF)

Modellkritik

Umbau/Verbesserung

Fahrzeugeinsatz

Vorbildinformationen

 

Ab 1928 bezog die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft Reisezugwagen der eisernen Bauart nach einer neuen Konstruktion. Die Wagen erhielten Drehgestelle der Bauart "Görlitz II schwer" und später auch "Görlitz III schwer" (ohne Wiege) für eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Wagen für den Fährverkehr nach Skandinavien erhielten Schwanenhals-Drehgestelle. Die Bauart 1935 erschien dann ab 1935 in etwas eleganterem, glatterem Äusseren und wurde nicht mehr genietet, sondern überwiegend geschweißt und deshalb leichter ausgeführt.

Geschichte des Vorbildes hier

 Das H0-Modell:

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Wagenkasten für diese Wagennummer korrekt (ABC4üe-28)
Küchenbereich mit falschen Aufschriften und zu großem DSG-Symbol

 

Speiseraumschild
so wäre das Schild korrekt gewesen

 

ABR4üe Gangseite

Kopfansicht - für Grossbild bitte klicken
Gangseite Sitzbereich und Kopfansicht

zum Vergleich: Beschriftung Fleischmann 5840
zum Vergleich: Beschriftung und Detaillierung des Fleischmann-Modells 5840 (AB4üe-35/52) mit "Klappe" über der "1"

Roco und Liliput-Bachmann AB4üe-29/52
Roco und Liliput-Bachmann AB4üe-29/52

Liliput-Bachmann hat mit dem Modell L384511 eine Nachbildung des ABR4üe-29/53 "11 407 Han" auf der Basis des seit fast 45 Jahren formtechnisch unverändert erhältlichen ABC4ü-28 im Angebot. Das Modell trifft das Vorbild bei oberflächlicher Betrachtung recht gut, die Beschriftung und Detaillierung enthält meiner Meinung nach jedoch eine Reihe von Ungereimtheiten in der Farbwahl und Beschilderungsart.

Leider hat auch die 2. Serie ab 10/2005 wieder vermeidbare Beschriftungsfehler: Das SPEISERAUM-Schild ist zweizeilig mit "DSG" und Logo. Diese Schilder wurden erst inden 60ern benutzt, da entfiel das DSG-Wappen am Wagenkasten und die blauen F-Zug-Lackierungen dieser Wagen waren längst Geschichte. Für einen stahlblauen 1. Kl.-Wagen in der Ausführung ab 1956 mit elfenbeinfarbenem Streifen über dem Sitzbereich und DB-Keks wäre diese Beschilderung noch glaubhaft und sicher ein lohnender kleiner Umbau. Die weiteren Kritikpunkte gelten für beide Ausführungen (und vermutlich für den modernisierten grünen Ep. IV-Wagen) gleichermaßen.

Es gibt eine grosse Anzahl an Kritikpunkten am Modell, die nicht alle von gleich hoher Wertigkeit für jeden Modellbahner sein können. Ich habe versucht, sie nach Wichtigkeit für mich absteigend zu gliedern und auch Hinweise zu einer möglichen Abhilfe zu geben.

Folgende Unstimmigkeiten fallen am Modell auf:

  • Die Farbe ist zu dick aufgetragen und lässt die Detaillierung ertrinken. Da die Wagen damals sehr gepflegt wurden, ist die Farbe zu matt und zu blass. In der Ep. IIIa waren die Wagen nahezu stets glänzend in ihrer Oberflächenstruktur der Seitenwände.

  • Der obere Zierstreifen sitzt zu hoch - er sollte auf der Höhe der Fensteroberkante der Fenster ohne zusätzliche Lüftungsschlitze liegen.

  • Die Küchenfenster und die WC-Fenster beim Vorbild immer aus geätztem "Milchglas" gewesen und damit undurchsichtig. Die Trennstrebe zwischen unterem und oberem, klappbarem Teil war in Aufbaufarbe gefärbt.

  • Das Dach ist vom Sitzwagen unverändert übernommen, alle Küchenentlüftungseinrichtungen fehlen deshalb. Über dem Küchenbereich sollten keine Lüfter auf der Gangseite angebracht sein, sonder die Esse. Der erste Lüfter über dem Küchenbereicht gehört auf die gegenüberliegende Wagen seite, der zweite Lüfter entfällt ersatzlos. In der Ankündigung des Modelles hat Liliput eine Zeichnung benutzt, die das Wagendach korrekt wiedergab. Daher verwundert dieser offensichtliche Fehler. Die Esse kann als T-Rohr problemlos aus einem alten Vollmer-Brückengeländer hergestellt werden, ist aber auch als Messinggussbauteil von Christoph von Neuman (Bauteil Nr. 9029, verschieden Essen für Speise- und Schlafwagen) erhältlich.

  • Dachlaufbretter hatten diese Fahrzeuge nicht mehr, sie wären, wenn vorhanden, auch nicht silberfarben gewesen, da sie aus Holz sein würden.

  • Oberwagenlaternenhalter fehlen am Modell völlig. Um 1954 wurden wegen der fortschreitenden Elektrifizierung aus Sicherheitsgründen die Halterungen nach unten verlegt. Sie wären auch ohne Leitern zu erreichen, daher sind diese am Modell überflüssig oder zu kürzen bis zur Höhe Fensterunterkante, falls noch hochliegende Oberwagenlaternen nachgebildet werden sollen, um die aufgedruckten Elektrowarnpfeile zu begründen. Einige F-Zug-Wagen behielten die hochliegenden Oberwagenlaternen bis etwa 1961.

  • Das Schild "Speiseraum" ist zu groß und völlig falsch gefärbt - die Schrift war gelb, der Hintergrund rot. Zudem war es ein an der Wagenseite wie ein Zuglaufschild aufgehängtes Blechschild - hier ist es leider nur aufgedruckt, Niete des Wagenkastens sind deshalb in der Fläche des Schildes zu sehen. Weinert liefert die passenden (kleineren!) Schilder für Halbspeisewagen unter der Bestell-Nummer 9112. Die Schilder von Kreye sind 400% zu groß. Ade legt beim Bausatz des 26,4m-Halbspeisewagens eine ausreichende Zahl solcher Schilder bei. Im späteren LILIPUT-SET sind die Schilder nach meiner Intervention korrigiert worden.

  • Das DSG-Emblem ist viel zu groß. Es kann durch ein kleineres Emblem aus dem zu grossen und inhaltlich unsinnigen "DSG-Speisewagen"-Schildern von Kreye ausgeschniten werden. Ein sehr schönes, geätztes Schild liefert Herr Beckert nach meinem Entwurf. Im Set "Dompfeil" hat Liliput die Maße korrigiert.

  • Das Zuglaufschild auf der Gangseite neben der Küchenladetür gehört an das rechte Wagenende.

  • Die Wagenklassenziffer "2" sitzt fälschlicherweise höhenmittig. Da der Wagen ein AB ist und die "1" im Inlandsverkehr durch eine am Modell nicht nachgebildete Klappe abgedeckt wird, sollte diese "2" so tief sitzen, dass darüber die "1" angenommen werden könnte. An der Küchenseite ist eine Klassenziffer nicht anzubringen. Zum Vergleich dient die Abbildung des in dieser Hinsicht hervorragend beschrifteten Fleischmann-Modells des AB4üe-35/52. In der 2. Auflage hat Liliput dies korrigiert und die Klappe nachgebildet.

  • Die Farbe der Ziffer ist falsch, da die Klassenbezeichnungen der 1951 umgebauten Wagen ebenso wie das richtig eingefärbte, aber leider nicht erhaben ausgeführte "DB" metallisch sein müsste (aufgesetzte Aluminium-Zeichen). Für den Einsatz ab 1956 ist nur eine "1" anzubringen. Sie wurde später in elfenbein auf den ersten Fenstersteg und nicht mehr in der Einstiegsschräge angebracht. Passende Ziffer für den Zeitraum ab 1956 gibt es bei Gassner, silberne Ziffern gibt es momentan nicht.

  • Das Beschriftungsfeld im Fensterbereich ist weiss. Diese Farbe wurde nie verwendet. In der Ep. IIIa es bei grünen Wagen und roten WL/WR eigentlich immer gelb, bei den blauen F-Zug-Wagen überwiegend elfenbein RAL 1014. Gelb kann man durch Übermalen mit einem gelben Folienstift erzielen. Der Anschriftenspiegel ist einen Fenstersteg zu weit zur Wagenmitte aufgebracht.

  • Der Wagen war 1954/55 wie alle weiteren ABR4üe für diesen Umlauf in Köln (Köl) und nicht in Hannover (Han) stationiert und wurde von Köln aus eingesetzt und bewirtschaftet. Insofern ist die Beschriftung hier eine Darstellung der ursprünglichen Planung, nicht der tatsächlichen Realität.

  • Die Bremsbezeichnung am Rahmen sollte rot sein - ein Folienstift hilft auch hier.

  • Obwohl der Fahrzeugboden wegen der vom normalern 28er abweichenden verblechten Rahmen bereits für den "Blauer Enzian"-Gegenzug neu konstruiert werden musste, sind Bremssteller und andere Teile am Wagenboden sehr grob ausgeführt und nicht eingefärbt - hier helfen Farbe, Weinert-Teile und Drähte weiter.

  • Die vorbildgerecht ovalen Tische sollten weiss gedeckt sein - man legte früher grossen Wert auf eine gute Präsentation auch bei leerem Speisewagen. Mattes Weiss und evtl. die Zugabe einer einzelnen Lage eines Papiertaschentuches lösen dieses Problem. Geschirr mitsamt Gläsern, Bestecken, Silberplatten, Braten (und auch im F-Zug nicht serviertem Hummer) gibt es übrigens von Preiser. Auch die weitere Inneinrichtung der Abteile ist spartanisch und gewinnt durch Einfärbung. Die Wände sind alle aus dunkelbraunem Holz. Zudem fehlen die seitlichen Ohrenstützen an den Sitzen und die weissen 1.-Klasse-Decken in Kopfhöhe. Die Stühle im Speiseraum haben im Modell leider keine Rückenlehnen. Man kann diese z.B. aus etwas dickeren Strohhalmen als Segment herausschneiden und färben.

  • Tischlampen hatten die Halbspeisewagen der 50er Jahre nicht - die Lampen waren an den Seitenwänden in halber Fensterhöhe zwischen den Fenstern angebracht. Insoweit fehlen sie am Modell auf den Tischen nicht.

  • Die Sitzpolster waren in einem mittleren Tannengrün (Revell 67)ausgeführt.

  • Die Kücheneinrichtung war sehr hell cremefarben.

Ein Dachfoto findet sich in MIBA 2/2004 S.37.

Der Umbau des Wagen wird hier vorgestellt.

Ein Vergleich der blauen F-Zug-Wagen-Modelle finden Sie hier

Fotos zu diesem Fahrzeug: Will Berghoff

Text erstellt ünd veröffentlicht:07.12.2003

Die Verwendung und der Nachdruck (auch auszugsweise) der hier im Freundeskreis gemachten privaten Meinung für gewerbliche/journalistische Zwecke ist ohne meine Zustimmung ebenso untersagt wie die Bezugnahme darauf. Dies gilt auch für die Verwendung auf Webseiten der Fachpresse und auch dort in deren "Foren". Die Ermittlung der Vorbild/Modell-Vergleiche erfolgte ohne Haftung nach bestem Wissen und Gewissen, Irrtum kann aber ebensowenig ausgeschlossen werden wie die Nicht-Berücksichtigung einer denkbaren Serienstreuung. Jeder Interessent ist gehalten, sich selbst vom Standard des Modells zu überzeugen, da abweichende Meinungen dazu durchaus denkbar sind.

Änderungen/Ergänzungen Stand: 03.03.2013

   
© Will Berghoff 2013